So hilft der Schutzschirm für Veranstaltungen

Schutzschirm für Veranstaltungen: „Österreich hat eine Vorreiterrolle in Europa eingenommen.“

ACB-Geschäftsführerin Michaela Schedlbauer-Zippusch spricht im Interview über das Unterstützungspaket der Bundesregierung, das Anreize zur Planung von Veranstaltungen in Österreich schafft.

Österreich zeigt, wie es geht, und versichert coronabedingte Absagen von Veranstaltungen – unabhängig vom Sitz der Organisator*innen. Im Interview erklärt Michaela Schedlbauer-Zippusch, Geschäftsführerin des Austrian Convention Bureau (ACB), warum das Unterstützungsmodell der Tagungsbranche Mut und Planungssicherheit gibt und was es zusätzlich braucht, um die Veranstalter*innen zu unterstützen.  

Welche Aufgabe hat der Schutzschirm für die Branche?
Michaela Schedlbauer-Zippusch:
 Der Schutzschirm dient dazu, Veranstalter*innen in Zeiten der Unsicherheit Mut zum Planen zu machen. Die Bundesregierung hat dafür ein 300 Millionen Euro schweres Unterstützungspaket geschnürt, um Anreize für die künftige Planung von Veranstaltungen in Österreich zu schaffen. Veranstalter*innen, die das wirtschaftliche Risiko ihrer Events, Tagungen, Kongresse oder Messen tragen, können finanzielle Nachteile im Falle einer Covid-19-bedingten Absage oder wesentlicher Einschränkungen mit dem Schutzschirm ausgleichen. Und das unabhängig von Sitz und Art ihres Unternehmens. Die Förderung erfolgt als Zuschuss von maximal 90 Prozent der förderbaren Kosten. Die Zuschusshöhe beträgt maximal 200.000 Euro (De-minimis-Regelung) zuzüglich maximal 800.000 Euro (befristeter Rahmen). Es werden nur Kosten berücksichtigt, die nach der Antragstellung angefallen sind. Davon ausgenommen sind allerdings Anzahlungen für die langfristige Vorausbuchung von Veranstaltungsstätten. Diese werden berücksichtigt. Das erste förderbare Veranstaltungsdatum ist der 1. März 2021 und Anträge dafür können bis zum 15. Juni 2021 eingereicht werden. 

Wie zufrieden sind Sie mit dem Unterstützungspaket?
Michaela Schedlbauer-Zippusch:
 Der Schutzschirm ist ein wichtiges Zeichen für die Veranstaltungsbranche, um dieser ein gewisses Maß an Perspektive und Zuversicht zu geben. Seit 18. Jänner 2021 ist es möglich, Anträge zu stellen – das heißt, die Erfahrungswerte zur Umsetzung und Ausführung der Förderung sind noch nicht weitreichend gegeben. Sehr gut läuft auf jeden Fall die Zusammenarbeit mit der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank (ÖHT) im Bereich der Antragsberatung. Was noch dringend benötigt wird, ist die Bereitstellung der Informationsmaterialien und Anträge in englischer Sprache für internationale Veranstalter*innen. Österreich hat mit diesem Unterstützungsmodell eine Vorreiterrolle in Europa eingenommen, die tatsächliche Praktikabilität des Schutzschirms muss sich nun erweisen.    

Der Veranstaltungsschutzschirm soll Planungssicherheit geben. Doch was benötigt es aus Ihrer Sicht noch? Wie kann der Branche zusätzlich geholfen werden?
Michaela Schedlbauer-Zippusch:
 Es braucht Unterstützungen für und das Ermöglichen von Einlasstestungen bei Veranstaltungen. Die heimische Tagungsbranche hat bereits im Sommer und Herbst bei einigen Beispielen gezeigt, wie verantwortungsbewusst und professionell sichere Veranstaltungen mit den entsprechenden Präventionskonzepten und dem Einsatz von Schnelltests umgesetzt werden können. Unabhängig davon ist es essenziell, Finanzhilfen wie Kurzarbeit, Fixkostenzuschuss und Umsatzersatz für die Branche aufrechtzuerhalten, bis das Geschäft wieder ordentlich anläuft. 

Der Schutzschirm wird als positives Signal gesehen. Gleichzeitig gibt es enttäuschte Stimmen darüber, dass die Absagen aus dem Jahr 2020 nicht entschädigt werden. Wie sehen Sie das?
Michaela Schedlbauer-Zippusch:
 Natürlich hätten wir uns alle gewünscht, dass der Schutzschirm früher in Kraft tritt, da die Branche sehr unter den erlittenen Verlusten leidet. Die Förderung per se ist aus inhaltlicher wie juristischer Sicht extrem komplex, das wurde unter anderem an dem langen Zeitraum von der Einbringung der Initiative durch die Branche bis zum tatsächlichen Absegnen im Parlament und auf EU-Ebene sehr deutlich. Weiterhin bedient sie viele unterschiedliche Bereiche der Veranstaltungsbranche – von Kongress über Messe bis zur Kultur. Der Ansatz der Förderung ist es, einen Anreiz für Veranstalter*innen zu schaffen, ihre zukünftigen Veranstaltungen in Österreich zu planen und damit das Geschäft anzukurbeln. Derzeit ist die Laufzeit bis Ende 2022 angesetzt.    

Wie zuversichtlich blicken Sie in das zweite Coronajahr?
Michaela Schedlbauer-Zippusch
: Der viel zitierte Blick in die Kristallkugel. Grundsätzlich hoffe ich persönlich, dass nach Ostern zumindest bestimmte Arten von Veranstaltungen wieder umgesetzt werden können. Ich bin zuversichtlich, dass durch die bereits mit Präventionskonzepten gesammelte Erfahrung, den Einsatz von Schnelltests und das bei unseren professionellen Dienstleister*innen und Betrieben aufgebaute Know-how sowie die Infrastruktur für hybride Veranstaltungsformate einige Tagungen und Kongresse 2021 möglich sein werden. Vor allem dem dritten Quartal sehe ich für nationale Veranstaltungen positiv entgegen. Die Entwicklung bei internationalen Kongressen hängt stark vom Erfolg der Impfstrategien und dem Vorankommen in den einzelnen Ländern ab. 

Die wichtigsten Informationen zum Schutzschirm auf einen Blick:

Wer kann ihn beantragen?
Veranstalter*innen, die eine Veranstaltung in Österreich planen und für diese das wirtschaftliche Risiko tragen.

Was ist versichert?
Veranstaltungen, die zwischen 1. März 2021 und 31. Dezember 2022 in Österreich stattfinden und dabei mindestens 15.000 Euro Einnahmen​ lukrieren oder bei denen Veranstaltungskosten in Höhe von mindestens 15.000 Euro entstehen​. 

Was sind förderbare Kosten?
Das sind nicht mehr stornierbare Beträge für Leistungen wie Lieferant*innen, Technik, Catering, Künstler*innen, Bar, Service, Florist*innen, Veranstaltungsort, Rückabwicklungskosten, Werbekostenzuschüsse, aber auch Personalkosten, die unmittelbar mit der Planung und Durchführung der Veranstaltung zusammenhängen. Es werden nur Kosten berücksichtigt, die nach der Antragstellung angefallen sind. 

Wie viel wird gefördert?
Der Zuschuss erfolgt in Höhe von maximal 90 Prozent der förderbaren Kosten im Falle einer Covid-19-bedingten Absage oder einer wesentlichen Einschränkung der Veranstaltung. Die Zuschusshöhe beträgt maximal 200.000 Euro (de minimis) zuzüglich maximal 800.000 Euro (befristeter Rahmen).  

Konkrete Details zur Qualifizierung für die Förderung und Formulare zur Einreichung finden Sie auf der Website der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank (ÖHT).