Ein Jahr Corona – Rückblick und Ausblick

Und plötzlich war alles anders

Die Corona-Pandemie trifft die österreichische Veranstaltungsbranche tief ins Herz. Nie zuvor stand das Business derart still. Ein Rückblick auf das, was im letzten Jahr trotzdem gut war, und ein Ausblick auf das, was kommen und bleiben wird.

Ein Beitrag von Melanie Wachter

2020 hätte die österreichische Tagungsindustrie an das Rekordjahr 2019 anschließen können. Hätte – denn stattdessen sahen sich die Veranstalter*innen mit einer Flut von Absagen und Verschiebungen konfrontiert. Die Corona-Pandemie legte die MICE-Branche ab März lahm. Jede einzelne Veranstaltungsabsage tut weh – so der einstimmige Tenor der Branchenvertreter*innen. Besonders, aber nicht ausschließlich wegen der finanziellen Einbußen, denn auch Herzblut, Energie und Kreativität fließen in jedes geplante Event. Ob die abgesagten Veranstaltungen nachgeholt werden? Viele nicht. Doch was bleibt von einem Jahr Krise? War alles nur schlecht? Nun, der finanzielle Verlust lässt sich nicht beschönigen: Durch das Covid-19 verursachte Veranstaltungsverbot fanden in Österreich allein von März bis Ende Mai 2020 kaum Live-Events statt. Zum Vergleich: 2019 liefen in diesem Zeitraum 7.200 Veranstaltungen über die Bühne – diese machten rund 30 Prozent des Jahresgeschäfts von 2019 aus. Die herben Ausfälle im Frühjahr 2020 konnten auch in den darauffolgenden Monaten nicht kompensiert werden. Bitter. Doch auch im Schatten der Krise ist Licht.

Eine Branche erfindet sich neu
Österreich zählt seit Jahrzehnten zu den gefragtesten Kongressdestinationen weltweit – damit das so bleibt, setzt die Branche die Weichen für eine erfolgreiche Kursänderung: Was in gewohnter Manier live nicht geht, findet nun als virtuelles oder hybrides Event statt. Es werden laufend neue kreative Ideen und Ansätze verwirklicht. Denn: Erfolgreich ist, wer sich anzupassen weiß. Vor allem, da Geschäftsreisen laut aktuellen Prognosen frühestens 2025 das Vorkrisen-Niveau erreichen sollen, ist Stillstand keine Option. Die Zwangspause wird daher genutzt, um zu renovieren und in moderne Technik zu investieren, um den digitalen Anforderungen gerecht zu werden. Durch die Reisebeschränkungen begrüßen die Destinationen neue Gästeschichten, die wiederkommen wollen. Branchenübergreifende Kooperationen helfen, Kräfte zu bündeln und die Zukunftspotenziale der Betriebe bestmöglich auszuschöpfen.  

Gekommen, um zu bleiben
Die Tagungsbetriebe erwecken erfolgreiche Formate zum Leben. Die neuartigen Konzepte und Ideen entstehen kontinuierlich, werden laufend ausprobiert und verbessert. Hybride und digitale Events werden der Branche erhalten bleiben, so viel steht fest. Die Branche werden wohl auch in Zukunft die Hygiene- und Präventionsmaßnahmen begleiten – und das Wissen, flexibler denn je auf sich verändernde Umstände reagieren zu müssen. Mit dem Schutzschirm der Regierung, der coronabedingte Absagen von Veranstaltungen versichert, nimmt Österreich eine Vorreiterrolle in Europa ein und gibt der Branche Planungssicherheit.   

Gemeinsamkeit wertschätzen
Die Krise wird enden. Was von ihr bleiben wird, ist folgende Erkenntnis: Zentrale Elemente von Präsenzveranstaltungen wie ein Get-together oder eine Produkterfahrung werden von virtuellen Formaten nie gänzlich abgedeckt werden können. Der Wunsch der Kund*innen, sich persönlich zu begegnen und Veranstaltungen real mit allen Sinnen zu erleben, wird nach Corona noch stärker gefragt sein. Eine Weinverkostung im lauschigen Weingarten können virtuelle Räume nachahmen, aber nicht ersetzen. Der Erfolg eines Galaabends oder einer Tagung liegt auch an deren Location und Inszenierung. Außergewöhnliche Destinationen in der Natur, gute Infrastruktur und die Professionalität der Partnerbetriebe werden wieder für unvergessliche Erlebnisse sorgen. Kleinere Formate, hybride Lösungen und die nachhaltige Umsetzung mit der Einbindung regionaler Dienstleistungsketten werden verstärkt nachgefragt werden. Und das ist doch ein Ausblick, der optimistisch stimmt.  

Best-Practice-Beispiele aus der österreichischen Veranstaltungsbranche

  • Der Launch des Rosenbauer RT-Feuerwehrfahrzeugs wurde im September 2020 auf beeindruckende Weise mit „tanzender“ LED-Fassade, Kameradrohnen und Choreografie auf dem Main Deck des Ars Electronica Center in Linz inszeniert – und als Livestream auf Youtube und Facebook gezeigt.  

  • Aktuell launcht Convention Partner Vorarlberg eine Podcast-Serie unter dem Titel „Grenzenloses Eventdesign – Gespräche über gute Veranstaltungskultur“, die sich mit lebendigen Veranstaltungen befasst. Der Podcast richtet sich an alle, die in der Veranstaltungsbranche tätig sind, und kann kostenlos auf dessen Website und auf Spotify angehört werden. 

  • Die Tourismuskonferenz 2020 von WienTourismus fand Ende September 2020 als hybrides Event unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen und mit Corona-Schnelltests statt. Rund 1.000 Menschen verfolgten zusätzlich den Livestream aus der Wiener Hofburg. Der Austausch fand mittels digitaler Avatare in der virtuellen Version des Festsaals statt.  

  • Österreichs größte Tourismusfachmesse präsentierte sich im Oktober 2020 zum ersten Mal virtuell. Auf atbvirtual.com ließ der Veranstalter Österreich Werbung internationale Einkäufer*innen das Tourismusland Österreich neu entdecken und sie an dessen verantwortungsvolle Gastgeber*innen erinnern.